pieces

08.11.2015 - 03.01.2016

JEANNO GAUSSI

Das Syker Vorwerk präsentiert die erste institutionelle deutsche Einzelausstellung der aus Afghanistan stammenden Künstlerin Jeanno Gaussi.

Kuratiert von Johanna Adam, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, und Nicole Giese, Syker Vorwerk.

Jeanno Gaussi, War Rug Project, Ausstellungsansicht Syker Vorwerk / Foto: B. Behrens
Jeanno Gaussi, War Rug Project, Ausstellungsansicht Syker Vorwerk / Foto: B. Behrens
Jeanno Gaussi, Dreams on Wheels, 2013, Detail / Foto: B. Behrens
Jeanno Gaussi, Dreams on Wheels, 2013, Detail / Foto: B. Behrens
Gaussi wurde 1973 in Kabul geboren und wuchs in Kabul, Delhi und Berlin auf. Sie lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Berlin. Bei der documenta13 im Jahr 2012 in Kassel und Kabul wurde ihre Arbeit einem internationalen Publikum vorgestellt. Die Künstlerin begann ihre künstlerische Laufbahn als Filmemacherin und ihre Kurzfilme wurden international auf mehreren Festivals gezeigt. Seit 2007 erweiterte sie ihre künstlerische Arbeit um Fotografie und Installationen. Viele ihrer Projekte entwickelt sie während Artist-in-Residency-Programmen u.a. in Pakistan, Jordanien, der Türkei und Israel/Palästina. Gaussi ist Mitglied des Afghan Contemporary Art Research Teams des Van Abbemuseum in Eindhoven, das die zeitgenössische Kunstszene in Afghanistan dokumentiert.
Jeanno Gaussi erforscht mit ihrer künstlerischen Arbeit kulturelle Identitäten und Aspekte der Erinnerung. Die Filme, Videos, fotografische Arbeiten und Installationen erkunden unbestimmte Räume und Zeiten und verkörpern so die persönlichen wie gesellschaftlichen Dynamiken der Diaspora. Die Künstlerin entwickelt oft Projekte in enger Beziehung zu dem Ort, an dem sie entstehen, untersucht die Eigenschaften und einzigartigen Aspekte ihrer Umgebung. Ihr eigener multikultureller Hintergrund hat ihre künstlerische Praxis stark beeinflusst, allerdings geht ihr Interesse über nationale Grenzen und Kategorisierungen hinaus.
Jeanno Gaussi spricht selbst von einer neuen Kontextualisierung von Fragmenten kulturellen Materials und sucht nach Spuren dessen, was die Gesellschaft heute ausmacht, jenseits der bekannten, alles erstickenden Bilder von Terror und Tod. Sie findet neue Ikonen, die Halt geben in einem Land ohne Sicherheiten, die zum Inventar der Selbstdefinition wurden für eine Generation, die im Krieg aufgewachsen ist.

Im Syker Vorwerk werden auf einer Ausstellungsfläche von 400qm bereits vorhandene Arbeiten der Künstlerin mit neu entwickelten Werken gezeigt und in Beziehung gebracht. Die beiden documenta 13-Arbeiten „Family Stories“ und „Peraan-e-Tombaan“ (Kabul, 2012) werden zum ersten Mal gemeinsam in einer Ausstellung präsentiert.

Die Ausstellung wird gefördert von der Karin und Uwe Hollweg-Stiftung, der EWE Stiftung, der Waldemar Koch Stiftung und vom Landschaftsverband Weser-Hunte e.V. mit Mitteln des Landes Niedersachen.