Von Narrenschiffern und anderen Utopisten

15.08.2010 - 17.10.2010

Robert Enders
Wolfgang Henne
Klaus Killisch
Otto Berndt Steffen


Unter dem heiteren Ausstellungstitel „Von Narrenschiffern und anderen Utopisten“ wird in der Zeit vom 15. August bis 17. Oktober 2010 im Syker Vorwerk eine Ausstellung mit Werken des in der Region bekannten Künstlers und Kunsterziehers Robert Enders (geb. 1928 in Sulingen, gestorben 2003 ebenda) im Dialog mit drei Künstlern der mittleren Generation präsentiert.

Robert Enders lebte und arbeitete in Sulingen und erreichte Popularität nicht nur durch eine Vielzahl von Skulpturen im öffentlichen Raum, sondern insbesondere auch durch seine kunstpädagogische Tätigkeit am Gymnasium Sulingen, wo er in den Fächern Werken und Kunst unterrichtete und zahlreiche Schülerjahrgänge in ihren Lebens- und insbesondere in ihren ästhetischen Ansichten prägte. Zahlreiche Stimmen bestätigen das. Robert Enders, seit 1958 auch freischaffend tätig, war Zeit seines Lebens ein Anreger, der sich in die aktuellen Kunstströmungen einbrachte, indem er experimentierte und die Suche nach dem Überraschenden, auf das man durch anhaltendes Blickwechseln in immer neuen Zusammenhängen stößt, zu einer seiner Handlungsmaximen machte. In der Sulinger Innenstadt befinden sich acht skulpturale Werke des Künstlers, entstanden zwischen 1964 und 2000, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen, so etwa der eine urbane Markierung setzende „Ortschaftsbrunnen“ am Rathaus, die heiteren Tagesbegleiter „Der Sensenschmied“, „Der Zeitungsleser“ und der „Froschbrunnen“ sowie die allegorische Bronze-Skulptur „Europa und die neun Musen“, die unwillkürlich die Phantasie der aufmerksamen Passanten füttert. Der kritische Zeitzeuge Enders hat sich in den „Mahnenden Händen“ – einem Mahnmal gegen Krieg und Aggression – im Mühlenhofpark vergegenständlicht.
Die Ausstellung im Syker Vorwerk zeigt in einer Auswahl von kleinformatigen Skulptur-Entwürfen, Bildern in Öl und Acryl, Collagen und Zeichnungen den noch zu entdeckenden Robert Enders, der ebenso ein expressiver Realist wie ein in der Abstraktion Suchender war.

Mit dem Berliner Klaus Killisch (geboren 1959 in Wurzen i. Sachsen) und den Leipzigern Wolfgang Henne (geboren 1949 in Leipzig) und Otto Berndt Steffen (geboren 1951 in Dornreichenbach i. Sachsen) verbindet Robert Enders keinerlei persönliche Beziehung. Die Ausstellung fußt vielmehr auf einem kuratorisch angeregten Dialog, der sich mal auf formal kompositorische, mal auf inhaltliche, mal auf rein atmosphärische Eigenheiten der Werke der drei Künstler stützt. Einiges findet im Gegenüber seine Entsprechung, anderes prallt unvermittelt aufeinander, woraus im Syker Vorwerk Raumsituationen entstehen, die sowohl den Triumph einzelner Werke ermöglichen als auch die chorische Wucht in der Interaktion diverser Ausdruckseinheiten.

Wolfgang Henne ist ein der Zeichnung geweihtes Naturtalent, der schlafwandlerisch jeden Höhepunkt kommen hört und voraussieht, wann wohlfeile Komik in ein echtes Experiment umschlagen muss. Die Linie ist seine erlösende Freiflöte, mit der er uns weckt, mit der er aber auch alles addiert, Zufälliges einarbeitet und miteinander vernetzt und verfallstrickt, dass man schon aufpassen muss, in diesem Labyrinth nicht den roten Faden zu verlieren.

Wer mit Klaus Killisch auf seinem malerischen Bildertrip schwimmt, begegnet Big Brother & The Holding Company, Jefferson Airplane, den Fugs, Velvet Underground und anderen Kultfiguren des Pop. Wer genau hinschaut, entdeckt andererseits Killischs Bekenntnis zu Künstlern des 19. Jahrhunderts: zu Blake, Füssli und Moreau. Aber genauso zum Jugendstil und zur Cover Art, zu James Last und zu Woodstock. Mit seiner unlinearen Montage hält sich Killisch alle Türen offen.

Otto Berndt Steffen bewegt sich zwischen Konkretion und Abstraktion, menschlicher Figur und technischer Form. Da er sich hat zweigleisig ausbilden lassen, in der Metallkonstruktion bei Fritz Kühn als auch in der Arbeit am Stein an der Dresdner Akademie, fällt es ihm nicht schwer, materialintegrativ zu denken. Jedes seiner Werke ist ein Balanceakt, den er als Herausforderung sieht, unterschiedliche Kräfte zu ponderieren, Gleichgewichte zu schaffen, Übergänge zu gestalten, Idee und Material sich im jeweiligen Gegenüber erfüllen zu lassen.

Die Ausstellung „Von Narrenschiffern und anderen Utopisten“ bietet eine fröhliche Tauchfahrt zu einem Schatz der regionalen Gegenwart, der in der Inbeziehungsetzung zu den jüngeren Gäste-Positionen um so vielfarbiger aufscheint. (Christoph Tannert)



Die Ausstellung wird am 15. August um 12 Uhr eröffnet und ist bis zum 17. Oktober im Syker Vorwerk zu sehen.

Begrüßung: Landrat Gerd Stötzel
Einführung: Christoph Tannert, Kurator der Ausstellung und Leiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien, Dr. Dr. Wolfgang Griese

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Die Ausstellung wird unterstützt durch den Landschaftsverband Weser-Hunte e.V. und die E.ON Avacon.